Die Tiroler Schützen – Wächter der Heimat
Was wäre Tirol ohne seine Schützen?
Wenn sie in ihren stolzen Trachten einmarschieren, die Fahnen im Wind wehen, die Gewehre blitzen und die Salutschüsse donnernd durch die Berge hallen, dann erwacht ein Stück Geschichte zum Leben. Sie sind nicht bloß Zierde bei Festen und Umzügen – sie sind das Herz und Symbol der Tiroler Wehrhaftigkeit, Ausdruck von Stolz, Mut und Treue zur Heimat.
Ihr Ursprung reicht zurück in die Zeit Kaiser Maximilians I., der 1511 mit dem Landlibell den Tirolern ein besonderes Recht gewährte: kein Kriegsdienst in fernen Ländern, dafür aber die heilige Pflicht, die eigene Heimat zu verteidigen. Tirol – reich an Silber und Kupfer, ein Schlüssel der Alpenpässe – war für die Habsburger ein Schatzhaus und ein Bollwerk. Und es waren die Schützen, die mit scharfem Blick und fester Hand über diesen Schatz wachten.
Immer wieder trat das einfache Volk in Waffen, wenn Gefahr drohte: 1703, als die Bayern in das Land einfielen. In den Napoleonischen Kriegen. Und am eindrucksvollsten im Jahre 1809, als Bauern, Handwerker und Hirten Seite an Seite gegen die übermächtigen Franzosen und Bayern standen. Ausgerüstet mit christlichen Werten, Heimatliebe und Entschlossenheit trotzten sie dem scheinbar Unbesiegbaren – und schrieben ein Kapitel, das weit über die Grenzen Tirols hinaus zur Legende wurde: der Freiheitskampf, Sinnbild des unbeugsamen Bergvolkes.
Nach dem Fall der Monarchie verloren die Schützen ihre militärische Rolle, doch niemals ihre Bedeutung. Selbst Verbote unter Nationalsozialismus und Faschismus konnten den Geist der Schützen nicht brechen. Nach den dunklen Jahren des Krieges erhoben sie sich erneut – und seit 1995 stehen die Schützen aus Nord-, Süd- und Welschtirol wieder geeint im Gesamttiroler Schützenbund.
Heute tragen sie keine Schlachten mehr aus – ihre Aufgabe ist eine andere, doch nicht weniger edel: Sie sind Bewahrer der Geschichte, Hüter von Brauchtum und Tradition, lebendiges Band zwischen den Generationen. Sie erinnern uns daran, dass Freiheit, Heimatliebe und christliche Werte keine leeren Worte sind, sondern Werte, die erkämpft, bewahrt und weitergetragen werden müssen.
Die Schützen und Marketenderinnen sind mehr als Frauen und Männer in Tracht. Sie sind ein Vermächtnis. Ein lebendiges Symbol. Ein Versprechen: dass die Seele Tirols niemals untergehen wird.
Unsere Geschichte
Die Schützen bauen auf einer langen Tradition auf, die untrennbar mit der Geschichte Tirols verbunden ist. In den vergangenen Jahrhunderten war ihre Aufgabe die bewaffnete Verteidigung des Landes gegen Feinde, die die Selbstständigkeit und Freiheit Tirols bedrohten.
Christliche Werte, Heimat, Freiheit und Recht zählen seit jeher zu den höchsten Gütern der Tiroler. So ist es nicht verwunderlich, dass auch die Aldeiner Schützen in den Freiheitskämpfen von 1796/97 bis 1809 tatkräftig an der Verteidigung ihres Heimatbodens teilnahmen. Aus Urkunden geht hervor, dass viele Aldeiner in der Gerichtsschützenkompanie Enn–Caldif vertreten waren – damals zwischen 40 und 70 Mann. Die Rüstkammer befand sich in der Volksschule, der Schießstand im Wieser Wald.
1809 hatte Aldein eine eigene Schützenkompanie, geführt von Hauptmann Georg Matzneller. Die Aldeiner kämpften zwar nicht bei den Bergisel-Schlachten, beteiligten sich aber zusammen mit den Unterlandler und Überetscher Schützen an der Verteidigung der südlichen Landesgrenzen. Ihr erster Einsatz war am 08. Mai 1809, als die Franzosen im Süden einfielen. Am 04. Oktober 1809 rückte Hauptmann Matzneller mit seiner Kompanie zum letzten Mal aus: Die Franzosen, die bis Salurn vorgedrungen waren, wurden bis Trient zurückgeworfen. Dabei fielen mindestens drei Aldeiner: Thomas Unterhauser, Johann Wieser und Franz Wieser.
Im Ersten Weltkrieg kämpften Landesschützen, Kaiserschützen, Standschützen und Kaiserjäger ein letztes Mal mit ihrem Leben für die Heimat. Auch die Aldeiner Schützen standen unter der Standschützenkompanie Auer drei Jahre lang an der Front.
Die Wiedergründung
Nach über 50 Jahren ohne Schützenkompanie kam es im September 1973 zu einer Neugründung. Im Gasthof Aldeiner Hof trafen sich dazu u.a.: Luis Pitschl, Luis Boschetto, Richard Marsoner, Erwin Marsoner, Robert Marsoner, Franz Pernter, Florian Aberham, Peter Pichler, Josef Dipauli und Johann Köhl. Die offizielle Gründungsfeier fand im Oktober 1973 statt – mit Landesrat Bruno Hosp und dem Schützenhauptmann von Tramin, Hermann Kofler.
Unsere Arbeit seit der Wiedergründung
Seitdem engagieren wir uns unermüdlich für die Dorfgemeinschaft: Ausrücken und Beflaggen bei kirchlichen und weltlichen Feiern, die Wiederbelebung des Aldeiner Kirchtags und des Tinzltages, die Pflege des Gefallenendenkmals, die Errichtung eines Schützenlokals (seit 15 Jahren ein Treffpunkt für alle), eine neue Fahne zum 20-jährigen Wiedergründungsfest, die Erneuerung der Kreuzwegstationen nach Maria Weißenstein und die jährliche Wallfahrt dorthin.
Viele Jungschützen sind inzwischen beigetreten, wodurch das Schießen wieder mehr gepflegt wird – mit beachtlichen Erfolgen. Durch das neue Sportzentrum entstand zudem ein moderner Luftgewehrstand.
Engagement & Kameradschaft
Unsere Kompanie beteiligt sich regelmäßig an Veranstaltungen und Aktionen des Schützenbundes, wie dem Protestmarsch, der Innerhofer-Gedenkfeier, dem Grenzfeuer oder dem Freiheitsmarsch. Besonders wichtig ist uns die Kameradschaft: Seit über 50 Jahren pflegen wir eine enge Freundschaft mit der Musikkapelle, der Freiwilligen Feuerwehr und dem Soldatenverein Batzenhofen.
Darüber hinaus spielt der Glaube eine lebendige Rolle in unserer Gemeinschaft: Die Teilnahme an Prozessionen, Wallfahrten und kirchlichen Festen, die Pflege von Kirchenpatronen und die Verbindung zu Maria Weißenstein stärken unsere Werte und den Zusammenhalt. So wird unser Engagement zu einem festen Ausdruck von christlicher Tradition, Heimatliebe und Gemeinschaftssinn.
Auch in Zukunft werden wir „Heimat schützen, Werte leben, Geist bewahren.“








